Vorbei

Imagem Escrito em 16.06.2019 de Jens Loës
Equipe: Team Rundschau
Município: Rotenburg (Wümme)

Es ist geschafft. Drei Wochen ohne die Nutzung des Pkw sind schneller vorbei gegangen als erwartet. Eine weitere Woche ohne Auto liegt aus familiären Gründen noch vor mir, macht mir aber keine Sorgen, da ich die wichtigsten Fahrten und Termine dieses Mal entsprechend geplant habe. Als Fazit bleibt nicht viel - oder doch. Sicherlich habe ich mit erreichten 1445 Kilometern in den drei Wochen das Ziel der 1.500 knapp verfehlt, und von den Spitzenwerten jenseits der 2.000 oder 3.000 Kilometer bin ich noch weit entfernt, aber es war von Anfang an nicht mein Ziel soviel Kilometer zurückzulegen wie es in drei Wochen möglich ist. Wäre das mein Ziel gewesen, hätte ich mir für die Zeit Urlaub genommen und mich von der Familie verabschiedet um eine Lightweight Reise mit dem Rennrad zu unternehmen. Da geht dann Einiges. Mein Anspruch, und die Chance die ich im Stadtradeln sehe, ist zu beweisen, wie unnötig das Auto in unserer modernen Welt geworden ist. Die Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten und ärztlicher Hilfe ist gerade innerorts (im Landkreis fehlt der ÖPNV) derart gut, dass man darauf verzichten sollte, über 500 Kilo Metall in Bewegung zu setzen, nur um von A nach B zu kommen. Das rechnet sich einfach nicht - weder heute noch für die Zukunft der kommenden Generationen. Diesen Beweis zu erbringen bin ich angetreten und habe ihn soweit auch erbracht. Das Auto hat zu keiner Zeit gefehlt, auch die letzte Woche, in der es der Familie gar nicht zur Verfügung stand, hat nur gezeigt, dass der PKW häufig nur aus Bequemlichkeit genutzt wird. Aber die Zeit der Bequemlichkeit ist vorbei angesichts der Katastrophe auf die wir zusteuern. Und je mehr wir lernen zu verzichten (nicht nur in Bezug auf das Auto), desto mehr Macht gewinnen wir über diejenigen, die in der Politik die Entscheidungen beeinflussen. Zudem entschleunigt das Rad den Alltag und hilft, diejenigen zu sensibilisieren, die immer noch meinen, Arbeitszeitverdichtung sei eine gute Sache.
Zur Abschlussfahrt des Stadtradelns bin ich mit meiner fünfjährigen Tochter gefahren. Sie wollte unbedingt mit, um noch am letzten Tag an möglichst vielen Teammitgliedern vorbeizuziehen. Ihre ältere Schwester wollte eigentlich auch mit, hatte am gleichen Tag aber eine Sportprüfung. Also nahm sie ihre kleine Schwester kurzerhand in die Arme und gratulierte ihr - sportlich fair - zum Sieg im schwesterlichen Duell. Ihr war klar, dass sie die Strecke nicht an einem Abend würde aufholen können. Nachdem wir beide bei der 20 Kilometer Strecke rund um Rotenburg eine ganze Weile dem Hauptfeld hinterher radelten und die anderen nur mehr zu den Pausen einholten, startete die Kurze nach der letzten Pause als Erste und setzte sich rotzfrech vor das Feld um für eine Weile die Geschwindigkeit zu diktieren. Immer wieder hatte ich sie während der Fahrt gefragt, ob sie Ihr Fahrrad an das Followme anhängen möchte - allein sie wollte selbst fahren. Bis zum Ende. Als der Bürgermeister sich bei der Ansprache im Rathaus voller Lob an sie wandte und der ganze Saal applaudierte, wuchs das Mädchen um einige Zentimeter. Den Applaus hatte sie sich hart erarbeitet und erkämpft. Und dieses einen Augenblick des Respekts von allen Erwachsenen im Raum wird ihr niemand mehr nehmen können. Ihr war es wichtig dabei zu sein, denn sie wollte unbedingt "für die Tiere und den Wald" etwas tun.

Zum Abschluss bleibt noch eine Szene vom Rückweg, als wir bereits die Hälfte der Strecke von Rotenburg nach Hause und mehr als 50 Kilometer hinter uns hatten. Irgendwo in den Wümmeniederungen steckten die Reifen der Räder im Sand fest, als von vorne auch noch starker Wind in Böen uns fast zum Absteigen nötigte. Ich sah in ihr konzentriertes Gesicht und fragte ob sie bei dem Wind nicht lieber schieben oder gezogen werden möchte. "Der Wind macht doch nichts, Papa, ich habe ein Kämpferherz" That's the spirit! Solche Kämpferherzen brauchen wir wenn wir das Ruder noch herumreißen wollen. Ob aber die politischen Entscheider endlich das Kämpferherz in sich entdecken und den Mut auch für ihre Berater unangenehme Entscheidungen zu treffen bleibt dahingestellt. Sollte nicht bald ein Ruck durch diese entscheidenden Teile des Staates gehen, kann es sein, dass der Einsatz des jungen Mädchens zu spät kam, und das nur weil sie erst fünf Jahre alt ist. Ich für meinen Teil mag die Hoffnung nicht aufgeben, dass vielleicht doch etwas Verstand in der Politik Einzug hält.

Compartilhar: Facebook | Twitter | Google+