Unangenehme Begegnung der Dritten Art

Escrito em 28.05.2019 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH, Erfurt
Município: Erfurt

Ich habe etwas mit mir gerungen, ob ich das berichten soll, aber da es entschieden zu oft vorkommt, habe ich mich dafür entschieden.
Gestern Morgen bin ich, wie üblich, auf dem Weg zur Arbeit die Schwarzburger Straße stadtauswärts entlanggeradelt. Natürlich fuhr ich dabei in der Mitte meiner Fahrspur, denn ich weiß ja, dass es in Erfurt recht viele Autofahrer gibt, die entweder die Verkehrsregeln in Bezug auf das Überholen von Radfahrern nicht kennen, diese Regeln ignorieren oder einfach ein Problem mit dem räumlichen Sehen haben.
Bei der Zufahrt auf die Brücke über die Hannoversche Straße hatte ich dann einen schwarzen Audi aus Sömmerda hinter mir, der mich wegen Gegenverkehrs nicht überholen konnte. Als er dann vorbeikam, hupte der Fahrer, wedelte empört mit dem rechten Arm und pöbelte offenbar rum. War für mich zum Glück ein Stummfilm.
Nun kann ich mich durchaus in das spärlich möblierte Oberstübchen solcher Leute hineinversetzen, auch wenn die eher schummrige Beleuchtung im Inneren eine Herausforderung darstellt.
Dann stelle ich mir vor, ich wäre von Vorgestern, strenger Anhänger eines Mobilitätskonzepts des 19 Jahrhunderts und würde ein Viertel bis ein Drittel meines verfügbaren Einkommens für ein rollendes Statussymbol zum Fenster rauswerfen. Wahrscheinlich hätte auch ich dann ein Problem damit, zwanzig Sekunden meiner kostbaren Lebenszeit hinter einem Radfahrer festzuhängen, dessen fahrbarer Untersatz in der Anschaffung womöglich weniger gekostet hat, als ich in knapp zwei Monaten für meinen Ressourcenvernichter raushaue. Wohlgemerkt, alle zwei Monate!
Da kann man dann schon mal die Contenance verlieren!

Andererseits wird mir niemand erfolgreich vorrechnen können, wie ein 2,20 m breites Auto einen 0,8 m breiten Radfahrer mit 1,5 m Abstand auf einer Fahrbahn von rund 3,5 m Breite überholen kann – zumal auch der Radler noch Platz nach rechts braucht.
Da an der physischen Breite der Protagonisten kaum viel zu machen sein wird, würde dann wohl der Seitenabstand auf der Strecke bleiben müssen.

Nun ist Egoismus nicht ganz so schlecht wie sein Ruf, denn wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht. Dennoch würde ich es begrüßen, könnte Erfurt wenigstens ab und an Kampagnen für mehr Rücksicht und Verständnis für Radfahrer durchführen.
Und natürlich muss der Autoverkehr endlich raus aus der Stadt. Auch das minimiert solche Begegnungen.

Compartilhar: Facebook | Twitter | Google+